Samstag, 30. Januar 2016

Auf der Suche nach dem richtigen Garten...


Wie findet man den passenden Garten?

Ein Kleingarten sollte es also sein. Soviel stand fest. Aber wie findet man den richtigen Garten für sich selbst? Klar, groß sollte er sein. Mit einem modernen Haus. Die Obstbäume sollen viele Früchte tragen. Rosenstämme wie aus einem Katalog überall im Garten.




Im Sommer ein schattiges Plätzchen an dem man verweilen kann. Und Arbeit sollte er auch nicht machen....
Hier fällt mir ein: Kleingartentraum... Diese Vorstellungen sollten wohl ein Traum bleiben. Vor allem die Sache mit dem „keine Arbeit machen“.
Es beginnt also die Recherche. Die örtlichen Kleingartenvereine wurden begutachtet und die freien Gärten auf der Internetpräsenz in Augenschein genommen. Aber welchem Kleingartenverein will man in Zukunft angehören? Schnell war klar, dass der Garten nicht zu weit von unserem Wohnort weg sein darf, da man sonst „nicht mal eben schnell“ dahin fährt. Wir wollten unser kleines Erholungsgebiet gleich um die Ecke. Mit dem Fahrrad in 10 Minuten soll man da sein. Das war eins der Hauptkriterien. So blieben für uns schnell nur die diversen Kolonien am Mittellandkanal im Stadtteil Vahrenwald bzw. Hainholz über.
Hier wird einem erst einmal bewusst, wie groß die Fläche ist, die nur von Kleingärtner bewohnt wird. Auf google-maps sind es gefühlte 150 Fußballfelder, die alle von Kleingärtner bevölkert werden. Verrückt. Und das gleich um die Ecke!
Also, Zettel und Stift raus und alle freien Kleingärten, die unseren Kriterien entsprechen aufschreiben. Dann rauf aufs Fahrrad uns rein in die Kolonien. Ich glaube, wir sind zwei Nachmittage lang einfach nur durch die Kolonien gefahren und haben uns die Gärten angeguckt, die grundsätzlich in Frage kommen. Bei vielen Gärten kriegt man das kalte Grauen, weil in diesem Biotopen seit gefühlten 20 Jahren keiner mehr drin war und selbst mit einer Machete hätte man nicht zu der Hütte vordringen können. Diese Gärten haben wir dann gleich wieder von unserer Liste gestrichen, weil wir keine Lust darauf hatten, erst mal ein Jahr lang aufzuräumen, bis man das erste gemütliche Bier auf der Terrasse trinken kann.
Man muss aber auch sagen, dass gerade die Kleingärten, welche noch aktiv bewirtschaftet werden, insgesamt sehr schön hergerichtet sind. Erkennbar ist die Liebe zum Detail, welche viele Kleingärtner an den Tag legen.
Wenn man so nachmittags durch die Kolonien streift und in verlassene Gärten schaut, bleibt es natürlich nicht aus, dass man von den alt eingesessenen bemerkt wird. Ein freundliches Hallo über den Gartenzaun öffnet hier manchmal Tür und Tor... im wahrsten Sinne. Schnell kommt man ins Gespräch und kann hier wichtige Tipps erfahren. So kommt man an unbezahlbare Insider-Infos, die auf keiner Internetseite zu finden sind. Denn eine bessere Entscheidungshilfe, als die ehrliche Ansage eines Kleingärtners ist nicht zu ersetzen. So weiß man schnell, welche Wege und Kolonien man lieber meiden sollte und wo sich ein Blick lohnt. Auch erfährt man, wer in Zukunft seinen Garten aufgeben will, jedoch noch nicht im Internet verzeichnet ist.
In der engeren Auswahl waren dann etwa 4-5 Gärten, die die von uns angelegten Kriterien erfüllten. Also wurde diskutiert, verglichen, begutachtet und wieder diskutiert. Am Ende konnten wir uns auf einen Favoriten einigen.

Die Verhandlungen
Der Favorit war auserkoren und der Kontakt zur Pächterin hergestellt. Dann läuft der bürokratische Teil an. Wer denkt, man spricht den Eigentümer an, legt den ausgehandelten Betrag auf den Gartentisch und ist dann neuer Besitzer, der irrt sich gewaltig.
Zunächst wird von einem unabhängigen Schätzer ein Wertgutachten über den Garten erstellt. Hier wird jede Rose, jeder Strauch, jede Erdbeere, der Zustand des Kompostes, die Qualität der Erde, die Länge des Zauns, der Zustand der Hütte, die Dichte des Rasens und einfach alles was sich in der Parzelle befindet begutachtet und entsprechend geschätzt. Am Ende steht dann ein Wert, welcher von dem Eigentümer maximal verlangt werden darf. Und dann kommt es auf das Verhandlungsgeschick an. Wir hatten das Glück, dass die Vorbesitzerin damit einverstanden war, dass wir ihre Gartengeräte übernehmen können. Außerdem haben wir so schon einen Ofen, Rasenmäher, Hacke, Schippe, Harke, Astschere, Schraubenzieher, Hammer, und und und... Im Endeffekt alles, was wir in nächster Zeit brauchen.
Im Beisein des Vorstandes des Kleingartenvereins wird dann der Vorbesitzer vom neuen Besitzer ausgezahlt, man wird Mitglied im Kleingartenverein und Mitglied in der Stromgesellschaft.
Und zack, ist man Kleingärtner.
Eigentlich relativ einfach, oder? Aber auch wie bei einem Kauf eines richtigen Hauses sollte man sich im Vorhinein ein paar Gedanken machen. Wie immer sind es die drei „L“, die man berücksichtigen muss: Lage, Lage und Lage.
Gedanken wie z. B., ob die Terrasse nach Süden zeigt, wo stehen die schattenspenden Bäume, wo steht der Kompost des Nachbarn, wer kann mir nachmittags auf den Bauch gucken, wenn ich in der Sonne liege, ist das Dach dicht, hält der Rasen, Wege und Beete angelegt waren, die wir zunächst erst mal weiter verwenden können. Ich denke, das wird uns die Arbeit im Sommer erleichtern, da wir auf gewachsene Strukturen, im wahrsten Sinne, zurückgreifen können.

Wer also Interesse an einem Garten hat, der sollte sich nicht scheuen nachmittags durch die verschiedensten Kolonien zu streifen und sich einfach mal ein wenig inspirieren zu lassen. Und wer dann noch etwas Zeit hat, der wird merken, dass ganz automatisch der passende Garten um die Ecke kommt...

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