Sonntag, 31. Januar 2016

Obstbaumschnitt leicht gemacht!

Jetzt übertreibt ihr aber...


Das Ergebnis vom Obstbaumschnitt
Der Garten ist nun gekauft, das erste Feierabendbier wurde genossen und der Herbst zeigt sich von seiner prächtigsten Seite. Viel machen müssen wir nun nicht mehr. Die Blumen verkriechen sich langsam, die Rosen bilden nur noch sporadisch eine Blüte, die Bäume werfen das Laub ab, das Beet liegt brach und der Rasen wächst kaum noch. Was macht man denn nun? 


Der Elan und die Motivation ist riesengroß, das Betätigungsfeld verhältnismäßig klein. Bei YouTube habe ich bereits fast alle Gartenvideos durchgeklickt und auch kaum ein Blog ist mir verborgen geblieben. Im Herbst soll man Obstbäume schneiden, das ist der Tenor. Kann ja nicht so schwierig sein, oder? Ich recherchiere wieder. „Man muss nach dem Schneiden einen Hut durch die Krone werfen können!“ Bitte, was ist das denn für ein Tipp für einen blutigen Garten-Anfänger wie mich? Soll ich einfach stumpf alles abschneiden, bis ein Hut dadurch fliegt? Das macht doch keinen Sinn...

Wie mache ich meinen Garten winterfest? 

Obstbaumschnitt leicht gemacht!


Das war die Überschrift, welche ich an einem Sonntag in unserem Käseblatt gefunden habe. Das Schulbiologiezentrum Hannover lädt am kommenden Sonntag zu sich ein und zeigt an praktischen Beispielen, wie man seine Obstbäume richtig beschneidet. 

Das ist doch das was ich brauche! 

Also, den Termin bekannt gegeben und schon fanden wir uns am nächsten Sonntag in einem wunderschönen Garten wieder, wo uns ein freundlicher Kleingärtner zeigte, wie man seine Bäume beschneidet. Neben uns waren noch ca. 50 andere, vornehmlich Kleingärtner, gekommen, um sich zu informieren.

Wir traten also an den Feind heran. Der Feind war ein etwa 4 Meter großer Apfelbaum. Dem wollte der Fachkundige zu Leibe rücken und wir durften zugucken. Es wurden Grundlagen und Begriffe erklärt, die ich noch nie gehört hatte. Konkurrenztriebe, Fruchtholz, Wassertriebe, usw... Langsam aber sicher bekam man ein Gespür dafür, was wichtig ist und was man machen kann, wenn man richtig Ahnung hat. Uns reicht es erst mal, wenn wir es solide richtig machen. Für das Feintuning haben wir vermutlich noch ein paar Jahre Zeit.

Der Herr vom Schulbiologiezentrum kam uns sehr patent vor und nahm uns die Angst davor, einfach mal beherzt am Baum rumzuschneiden. Wichtig zu sein scheint, dass alle Äste, die steil nach oben gehen, weggeschnitten werden. Am besten so dicht wie möglich am Ansatz. Denn diese sogenannten Wassertriebe ziehen, wie der Name schon sagt, das Wasser aus dem Baum, sodass ihm die Energie fehlt um Früchte/Blüten und starke Äste zu bilden. 

Also, alle weg.

Danach sind alle Äste dran, die von Außen nach innen wachsen. Denn wenn später das Laub am Baum ist, dann kriegen diese nach innen wachsenden Äste/Triebe zu wenig Licht, sodass sie nicht vernünftig wachsen und schon gar keine Früchte bilden werden.

Dann müssen nur noch die Konkurrenztriebe gefunden werden. Das sind die neuen Triebe, die dicht nebeneinander sind und quasi um die Wette wachsen, weil ja jeder einzelne dicht genug am Licht sein will. Auch diese beeinflussen sich gegenseitig so, dass die Fruchtausbeute eher gering ausfallen wird.
Am besten sind die Äste/Triebe zu gebrauchen, die waagerecht oder maximal im 45 Grad Winkel nach oben wachsen. Denn da werden sich vermutlich im nächsten Jahr die meisten Früchte wiederfinden.
Theorie verstanden? Wir dachten schon. Also ran an den Baum. 

Insgesamt stehen uns 3 Apfelbäume zur Verfügung, die wir bearbeiten können. Wir gehen also nach dem oben beschriebenen Muster vor. Erst die Wassertriebe, dann die nach Innen wachsenden und dann die Konkurrenztriebe. Donnerwetter! Da kommt aber einiges runter. Ob das alles so richtig ist. Aber der Ausbilder sagte, dass viel schneiden auch viel hilft. 

Ich persönlich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ob wir im nächsten Jahr überhaupt einen Apfel ernten können. Aber was haben wir schon zu verlieren? Bäume in freier Wildbahn werden gar nicht geschnitten und tragen in guten Jahren wie verrückt. Wenn wir nun unseren Bäumen schon dieses Beauty-Programm zu teil werden lassen, dann werden sie uns das vermutlich auch mit einer guten Ernte danken.
Als wir unseren Eltern von unserem Garten-Kurs erzählten, sagten sie nur: Jetzt übertreibt ihr aber...


Was meint ihr, können wir wohl mit einer erfolgreichen Apfelernte rechnen?

Kommentare:

  1. Na, wie war die Ernte 2016? Konntet Ihr Euch über eigene Äpfel freuen? Oder war es kein gutes Apfeljahr? Bei uns war das leider so, denn wir hatten zur Blütezeit Regen, Regen, Regen und letztlich sogar "Land unter"! Da kann man den Obstgehölze-Schnitt noch so gut und richtig ausgeführt haben...aber wenn keine Bestäubung erfolgen kann...ja, dann gibt es leider auch keine Früchte...Aber vielleicht war es bei Euch ja anders...Ich hätte es Euch sehr gewünscht!!! So ein erster Erfolg macht gleich so viel Mut und nicht zu vergessen - er macht auch sehr, sehr stolz!!!
    Vielleicht besuchst Du mich ja einmal auf meinem Blog und hinterlässt mir eine Nachricht!?!! Wäre schön!
    Alles Liebe und viel Erfolg im jetzt so richtig beginnenden neuen Vegetationsjahr!!!
    Heidi

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  2. Liebe Heidi,
    vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Auf deinem Blog schaue ich auf jeden Fall vorbei und bin gespannt, was ich dort entdeckt. Mit der Apfelernte war es leider etwas mau - genau ein Apfel. Aber die Bäume sind auch wirklich schon alt und auch unsere Nachbarn sagen, dass sie sie eher nur als Schattenspender nutzen. Aber aktuell sind ein paar Blüten zu sehen - mal sehen, was wird! :-)

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